Was ist eigentlich Meditation?

Der Begriff Meditation wird heute für unterschiedliche Übungen und Techniken der Aufmerksamkeit und Konzentration oder auch Entspannung verwendet. In vielen religiösen und weltanschaulichen Bereichen zielte und zielt die Meditation auf eine Erfahrung des Einswerden mit dem Göttlichen, eine transzendente Erfahrung oder Erleuchtung zu erlangen, ab. Grundsätzliche Unterschiede bestehen zwischen einer objektbezogenen Meditation und einer auf ein Leerwerden ausgerichteten oder gegenstandslosen Meditation.
Im Yoga wird Meditation mit dhyana bezeichnet, der jedoch Stufen vorausgehen, wie die Konzentration dharana.
In der gegenstandslosen Meditation wird versucht die Gedanken oder Bewegungen im Bewusstsein zur Ruhe kommen zu lassen oder auszuschalten um eine sog. Leere zu erleben.
Welcher Unterschied besteht gegenüber der objektbezogenen Meditation, wie sie hier praktiziert wird?
Einen Objektbezug herzustellen bedeutet zunächst, dass der Übende sich selbst als Subjekt wahrnimmt und zu dem Objekt, das er auswählt, eine gedankliche Verbindung aufbaut. Er wählt beispielsweise einen Gedanken als Objekt („Im Empfangen liegt geben“ oder eine geometrische Figur wie einen Kreis). Dieses Objekt rekonstruiert er in seiner Vorstellung und stellt es sich gedanklich gegenüber, so dass er es betrachten kann. Er bemüht sich diese Vorstellung über einen längeren Zeitraum von einigen Minuten aufrecht zu erhalten. Bei diesem Vorgang der beginnenden Konzentration wird er bemerken, dass aus seiner subjektiven Innenwelt andere Gedanken, Assoziationen, Gefühle oder Stimmungen aufsteigen, die mit dem Objekt nichts zu tun haben oder es treten Gefühle der Sympathie und Antipathie gegenüber dem Objekt auf. Diese Bewusstseinsströme aus dem Inneren werden bemerkt, aber zurückgewiesen und die Aufmerksamkeit immer wieder zurück auf das Objekt gelenkt. Mit Wiederholung und Übung wird es leichter das Objekt freier in der Betrachtung zu halten und es wird einem näher kommen. Eine empfindsame Beziehung entsteht. Wird die Übung weiter fortgesetzt, kann sich das Objekt aussprechen, d.h. es entsteht eine Art Rückstrahlung aus dem Objekt, das eine Erkenntnis ermöglicht. Das Aussprechen oder Sich-Offenbaren kann nicht forciert werden, es geschieht von selbst, wenn die Zeit reif ist. Um die vorbereitenden Phasen der Konzentration muss sich der Übende jedoch bemühen.
Welche Lernschritte entstehen aus dieser Übungsweise?
Zunächst wird sich der Übende bewusst wie viele Gefühlsstimmungen und Willensimpulse aufsteigen und ihn von der Wahrnehmung des Objekts ablenken. Er kann sich aber schulen, diese projektiven Ströme zu bemerken und zurückzuweisen und die Aufmerksamket immer wieder auf das Objekt zu lenken. Durch diese aktive Tätigkeit im Bewusstsein richtet sich das Denken auf das Objekt aus und der Wille wird dazu erzogen, das Objekt nicht zu ergreifen (im Sinne eines Wissen wollen), sondern sogar von den eigenen Willenszugriffen frei zu halten. Dadurch kann das Objekt in seiner Natur oder seinem Wesen wahrgenommen oder erkannt werden.
Welche Bedeutung hat die objekbasierte Meditation für das alltägliche Leben?
Die Übung schult ein gutes Unterscheidungsvermögen zwischen den aus dem eigenen Inneren aufsteigenden Impulsen, Emotionen und Bewertungen und einer objektiven, auf einem Gedanken beruhenden Betrachtungsweise eines Objekts.
Der Mensch neigt häufig zu schnellen Bewertungen und Urteilen ohne den anderen Menschen und die Sachlage ausreichend anzuschauen und zu reflektieren woher seine oft gemütshaft orientierten Urteile und Entscheidungen kommen. Die Schulung der Aufmerksamkeit und Konzentration bemüht sich um eine längere Betrachtung, treffende Beschreibung und objektivere Wahrnehmung des Gegenübers. Diese Bemühung um ein Wahrnehmen führt zu einer besseren und freudigeren Beziehungsaufnahme, einer größeren Ruhe für den Übenden und sein Umfeld.
Sie will die Beziehungsfähigkeit des Menschen zu seinen Mitmenschen, aber auch der Natur und Umwelt, stärken. Die „Ergebnisse“ im Sinne der Bemühungen fließen allen zu und können das soziale Umfeld erbauen.