Winterimpressionen Neujahr 2020

Blick von der Bodenschneid auf den Tegernsee mit nahender Windbö in der Nachmittagssonne
Strahlend blauer winterlicher Himmel am 1.1.2020
Ein „unbesätes Feld der Hoffnung“ zu Jahresbeginn
Der Kalkfelsen reflektiert warm das Sonnenlicht

Braucht der Mensch Ziele im Leben?

Dieser kurze Beitrag will zu einer eigenständigen Auseinandersetzung mit der doch bedeutsamen Frage anregen, ob es für den Menschen bedeutugsvoll ist, sich Ziele im Leben zu setzen und diese auch verwirklichen zu wollen. In einer Zeit, die von einem naturwissenschaftlich-technischen Denken und Belangen des materialistsichen und ökonomischen Lebens geprägt ist, bleibt anscheinend oft nicht Zeit oder es besteht wenig Interesse sich mit philosophischen Fragen zu beschäftigen. Wagt man es dennoch sich auf eine Sinnsuche zu begeben und Fragen des Menschseins zu stellen, stößt man auf ein recht bekanntes Zitat, das Konfuzius zugeschrieben wird:
Der Weg ist das Ziel.“
Wo führt der Weg hin, wenn der Mensch kein Ziel hat? Wer bestimmt diesen Weg?
Welche Kräfte im Menschen sind wirksam, welche Kräfte von außerhalb wirken auf den Menschen, was sind die, oft auch verborgenen Motive und Absichten dieser Gedanken, Impulse, Emotionen und Einflüsterungen? Wohin gelangt der Mensch, der sich den treibenden Kräften, Lust und Laune, Begehren und Trieben ausliefert und vielleicht wie ein Boot auf stürmischer See ohne Steuermann den Wellen und dem Wind ausgeliefert ist?
Hat Konfuzius diese Aussage überhaupt so gemacht oder ist sie durch ein falsches Verständnis erst zu dem geworden, dass der Weg das Ziel ersetzt, ein Ziel also gar nicht nötig sei? Recherchiert man, stellt sich heraus, dass eine aus dem Chinesischen überlieferte Übersetzung lautet: „Richte Deinen Willen auf den Weg, […]“ (Lunyu 7.6). Robert Harsieber vergleicht das westliche Denken mit dem asiatischen, das er als ganzheitlich bezeichnet: „Das Ziel wird nicht durch den Weg hinfällig, wie das bei uns immer verstanden wird, sondern das Ziel vor Augen zu haben ist der Weg.“

Ein interessantes Gedicht von Christian Morgenstern mit dem Titel „Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben“ lädt dazu ein tiefer nachzusinnen:

Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis all sein Leben traben;
kommt am Ende hin, wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn nur noch mehr zerstückt.
Wer vom Ziel nichts kennt, kann’s doch heut erfahren;
wenn es ihn nur brennt nach dem Göttlich-Wahren;
wenn in Eitelkeit er nicht ganz versunken
und vom Wein der Zeit nicht bis oben trunken.
Denn zu fragen ist nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist, will man Licht erringen;
wer nicht suchen kann, wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann siebenfacher Schleier.

Weitere Fragen können eine konkrete Zielfindung befeuern: Was ist mir wirklich wichtig? Welche Missstände beobachte ich in der Welt (wie Manipulation, Lüge, Krieg, Krankheit)? Wie kann ich daraus ein Gegenbild denken und umsetzen?
Vorbilder dürften Mahatma Gandhi und Nelson Mandela sein, auch Julian Assange, die Weiße Rose mit den Geschwistern Hans und Sophie Scholl, an Hand deren Biografie eine unglaubliche Kraft für Ziele und Ideale einzutreten, studiert werden kann. Vielleicht inspirieren Sie diese Menschen oder eine vertiefende Lektüre über die Entwicklung von Weite durch Zielsetzung in der Seelendimension des Yoga?

  • Heinz Grill, Die Seelendimension des Yoga, Das Manipura-Cakra.