Das kosmische Gebet

Das kosmische Gebet ist eine im Stehen oder auch im Fersensitz praktizierbarer Übungszyklus, in welchem sieben Sätze oder Mantren* mit symbolischen Arm- und Handbewegungen verbunden werden.

Obwohl die Übung „Gebet“ genannt wird, ist sie ohne jegliche konfessionelle Bindung oder Tendenz, sondern beschäftigt sich damit, in welchem Verhältnis der Mensch zum übergeordneten Kosmos steht und beschreibt einen geistigen Entwicklungsweg des Menschen.

Diese rhythmische Bewegungsabfolge in sieben Schritten wird von den nachfolgenden Gedanken getragen:

(1) Der Beginn
(2) Liegt in der Bereitschaft
(3) Zur Blume zu wachsen
(4) Weit dem Lichte geöffnet
(5) Zur Mitte sich wendend
(6) Mit Anerkennung
(7) Und Hingabe

Zur Ausführung:

Seien Sie sich des umgebenden Raumes und des eigenen Körpers bewusst. Achten Sie auf einen freien und leichten Atem. Die Arme bewegen sich in Leichtigkeit durch das luftige Element; Schultern und Nacken bleiben entspannt.
Stellen Sie sich jeden Satz oder Begriff als eine lebendige Idee vor, die Sie in die Bewegung hineinlegen.
Die Übung kann 5 – 10 mal wiederholt werden.

Die Übung wirkt vor allem beruhigend auf das Nervensystem, da eine geordnete mentale Aktivität erfolgt. Auf den Körper bezogen werden die Schulterregion und der Brustkorb durch die seitliche Ausdehnung der Arme leicht belebt sowie die Wirbelsäule sanft aufgerichtet.

  • Ein Mantra (Sanskrit) besteht aus einer Silbe, einem Wort oder Wortzyklus, der eine intensive und tiefe Wahrheit beschreibt.

Literatur:

Heinz Grill, Übungen für die Seele, 2. 128 ff., Synergia Verlag

Die 12 heiligen Rauhtage

Die Zeit zwischen den Jahren, die zwölf Tage und Nächte zwischen Weihnachten und Heilig Dreikönig, war für viele Menschen immer eine besondere Zeit: altes Brauchtum berichtet vom Vertreiben der bösen Geister, dem Ausräuchern von Heim und Hof bis zu dem Glauben, in dieser Zeit keine Wäsche waschen und zum trocknen aufhängen zu dürfen und ist in vielen Büchern und überliefertem Wissen belegt.
Nun hat der heutige moderne Mensch meist mit den bösen Geistern nicht mehr viel am „Hut“, an deren Stelle sind Einflüsse wie Fremdbestimmung, Manipulation, Lüge, überzogener Konsum und überhöhte Anforderungen getreten, mit denen sich der Mensch das ganze Jahr plagen darf.
Wofür stehen nun diese Rauhtage? Wie kann sie der Mensch sinnvoll nutzen?
Das Gedicht „Die zwölf heiligen Rauhtage“ von Heinz Grill lädt ein die Stimmung dieser Zeit kennen zu lernen als ein unbesätes Feld, in das der Mensch seine Gedanken einsäen kann für das bevorstehende Jahr:

Licht,
kräftigendes, ätherisches Licht
unter der Himmelsbläue der karsten Wintertage.

Fruchtbare, fröstelnde Sphäre,
im Winterlichte glitzert
ein unbesätes Feld der Hoffnung,
das Jahr steht bevor.

Wir sind es,
die säen selbst
alle großen Gedanken
in das fruchtbringende Licht der Sphäre.

Gedicht von Heinz Grill,
Begründer des Neuen Yogawillen

Ich denke, dass es für den Menschen heute von großer Wichtigkeit ist sich konkrete Ziele zu setzen und so das Leben besser steuern und gestalten zu können.
Selbst denken als gedacht oder gelenkt zu werden, führt zu größerer Freiheit und Selbstbestimmung, die ja auch in unserem Grundgesetz in Art.2 verankert sind.
Dafür bedarf es aber erfahrungsgemäß einer eigenständigen Aktivität und Bemühung, um die gesetzten Ziele auch Schritt für Schritt umzusetzen.
Wer gerne Yoga übt kann dem Sonnengruß die zwölf Monate zugrunde legen: jede der 12 Positionen entspricht einem Monat. Die erste der 12 Positionen ist der Beginn im Dezember: die Hände werden im atmanjali-mudra an das Herz geführt, der Halbmond entspricht dem Januar usw. bis sich das Jahr mit dem November, dem Absenken der Arme und Rückkehr, rundet und ein neuer Jahreskreis beginnt.
Schön ist auch die Waage mit der Vorstellung eines weiten, freien und neuen Raums zu praktizieren, in den man sich horizontal – zuerst in das hintere Bein, dann die Arme nach vorne bei entspanntem Nacken – ausdehnt.
Die Fotos zum Sonnengruß und der Waage finden sich in früheren Beiträgen.

Die Waage – tuladandasana

Die Waage ist eine dynamische Asana, die Spannkraft und Gleichgewicht vereint.

Auf einem Bein stehend, das sensibel und aufmerksam das Gleichgewicht hält, trägt der Übende den Körper weit in den Raum hinaus. Der Körper bildet eine horizontale Linie; das nach hinten ausgestreckte Bein erhebt sich leicht. Die Dynamik setzt in der Mitte des Rückens an auf Höhe des Sonnengeflechts oder manipura-cakras. Aus dieser Mitte streckt sich der Übende in das fliegende Bein nach hinten und nach vorne bis in die Arme hinein. Die Schultern und der Nacken bleiben entsapnnt und der Atem fließt, trotz der zunehmenden Anspannung aus der Mitte des Rückens, frei und ungezwungen.
Der Übende erlebt ein Zentrum in sich und eine Gliederung nach außen.
Üben Sie beide Seiten mehrere Male und halten Sie die Stellung bei frei fließenden Atem bis zu ca. 20 Sekunden.

Eine einfachere aber im Erleben ähnliche Variante stellt folgende Übung dar:

Aus dem Stand wird die Mitte des Rückens, das Sonnengeflecht, angehoben und in eine leichte Durchspannung aufwärts – bei entspannten Schultern und Nacken – geführt. Dann wird ein Bein nach hinten gestreckt und berührt mit den Zehenspitzen den Boden. Das ähnliche Erleben, in diagonaler und nicht horizontaler Ausstreckung, beruht auf dem spannkräftigen Ausdehnen aus der Mitte des Rückens.

Die Übungen können einzeln oder miteinander kombiniert ausgeführt werden.

 

Sonnengruß – surya namaskara

Der Sonnengruß ist eine bekannte und sehr beliebte dynamische Übungsreihe aus dem Yoga. Der Name „Sonnengruß oder Sonnengebet“ steht mit den indischen Yogatraditionen in Verbindung, da diese Übung zu Ehren der Sonne, die mit dem freiheitlichen Geist assoziiert wird, praktiziert wird.
Der Sonnengruß existiert in verschiedenen Übungsabfolgen. Hier wird eine Variante des surya namaskara vorgestellt, die auf der Grundlage des von Sivananda entwickelten Sonnengrusses basiert, jedoch in einer weiter entwickelten Form von Heinz Grill, dem Begründer des Neuen Yogawillen.
Charakteristisch für den Sonnengruß ist die rhythmische und dynamische Abfolge von 12 Bewegungen oder Stellungen, die zu beiden Seiten, rechts oder links beginnend, ausgeführt werden.

Der Zyklus beginnt im entspannten Stand mit geschlossenen Beinen, die Hände werden in einer weiten Bewegung von außen nach innen geführt: Vor dem Herzen berühren sich die Handflächen im atmanjali-mudra.

1. Position Atmanjali-Mudra

„Sonnengruß – surya namaskara“ weiterlesen

Das Rad – Cakrasana

Die Stellung des Rades offenbart eine Umstülpung des Körpers. Wie ein weiter Bogen spannt sich die Wirbelsäule auf und der Übende begibt sich in diese ungewöhnliche Position, in der nur die Hände und Füße oder sogar nur Zehenspitzen den Boden berühren. Die Spannkraft mündet vorallem in die Brustwirbelsäule. Mit aktivem Einsatz der Beine begibt sich der Übende vom Boden aus in die zunehmende Durchstreckung und Durchwölbung der Brustwirbelsäule.

Eine schwierigere Variante stellt das Rad mit gerade nach oben aus der Hüfte ausgestrecktem Bein dar. Das Ranziehen und Anheben des Beins in die Senkrechte erfordert ein präzises Gleichgewicht und eine hohe Konzentration.

Eine Übung für die Seele – Betrachten einer Pflanze

Im Yoga gibt es viele Übungen, die die verschiedenen Wesensglieder des Menschen, zu denen die Seele gehört,  ansprechen. Unter dem Begriff „Wesenglieder“ kann man den physischen Körper als sichtbare Erscheinung, die Verbindung schaffende Seele mit ihren Kräften des Denkens, Fühlens und Wollens und den Geist, die schöpferische Gabe, das Ich-Selbst des Menschen verstehen. Diese Glieder wirken in einer harmonischen Einheit zusammen.

Was bedeutet nun eine Übung, in der die Seele angesprochen wird? „Eine Übung für die Seele – Betrachten einer Pflanze“ weiterlesen

Die innere Haltung in der Yogapraxis

Die innere Haltung beim Üben

Eine sehr wichtige Frage stellt sich, wenn wir uns fragen WIE wir Yoga praktizieren können. In unserer westlichen konsumorientierten Welt übertragen wir fast automatisch das Nutzprinzip auch auf den Yoga: Er soll uns gut tun, beweglich machen, Blockaden lösen und Energie geben. So tragen wir, vielleicht auch nur halbbewusst, viele Erwartungshaltungen an den Yoga heran.
Wir können den Yoga jedoch auch in dem Licht einer sowohl körperlichen als auch seelisch-geistigen Entwicklungsmöglichkeit für den Menschen sehen, die aber eine Eigenaktivität und Hinwendung von uns verlangt. Welche Fähigkeiten können wir im Yoga lernen? Beispielsweise können wir denken an eine größere Geschicklichkeit, Ausdauer, Konzentration, innere Ruhe, Schulung der Sinne wie Gleichgewichts- und Bewegungssinn, Verbesserung des Vorstellungsvermögens und der Aufmerksamkeit. „Die innere Haltung in der Yogapraxis“ weiterlesen

Fisch – Matsyasana

Wie kann die Wahrnehmung der Sinne in der Yoga – Asana gefördert werden?

Der Fisch ist eine zentrierte Rückwärtsbeuge im Liegen, die häufig nach dem Schulterstand und dem Pflug praktiziert wird.

Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit der Frage wie die Sinne, zu denen das Sehen, Hören, Fühlen, aber auch die Wahrnehmung des Körpers gehört, im Fisch gelenkt werden können.

Vor der praktischen Ausführung ist es günstig, das Bild des Fisches, eine zentrierte Rückwärtsbeuge im Liegen, genau zu betrachten:
Was nimmt man wahr, wenn man ganz unbefangen darauf blickt?
Je nachdem, ob der Betrachter die Wahrnehmung bewusst, interessiert, forschend ausrichtet oder eher unbewusst, gewohnheitsmäßig darauf schaut, wird er eine andere Wahrnehmung haben: vielleicht fällt der Blick auf den Kopf oder auf die Form des Körpers, den umliegenden Raum oder er bemerkt etwas Anziehendes oder Abstoßendes oder ihm fallen eigene Erlebnisse ein, die er damit in Verbindung bringt. Es ist durchaus interessant sich seiner eigenen Wahrnehmungsmechanismen und Gewohnheiten, wie man in die Welt blickt, bewusst zu werden.
Stellen wir nun für die Betrachtung eine konkrete Frage: Welche Form nimmt der Körper ein und was kann als charakteristisch für diese Stellung bezeichnet werden? „Fisch – Matsyasana“ weiterlesen

Sirsasana – Der Kopfstand als Ausdruck der Vertikalität

Im Kopfstand begibt sich der Übende in eine vertikale Linie, in ein umgekehrtes Lot. Die Vertikale wird assoziiert mit der Verbindung von oben und unten oder der Verbindung von Himmel und Erde. Sie beschreibt auch die Fähigkeit des Menschen einen Gedanken zu denken und ihn auf der Erde zu manifestieren.
Der Übende erlebt sich umgekehrt aufgerichtet im Lot in einer klaren Form.

 

„Der Kopfstand bezeichnet das seelische Bild einen Gedanken zu platzieren (Heinz Grill)“.

 

Variante: Kopfstand mit gegrätschen Beinen.

Kontraindikationen: Krankheiten an der Halswirbelsäule, Bluthochdruck, Erkrankungen im Kopfbereich.