Das Erleben und Empfinden von Farbe

Wie kann der Mensch das Erleben und Empfinden von Farbe entwickeln?

Die uns umgebende Welt, Erde und Kosmos, zeigen dem Menschen eine unglaubliche Fülle von Farben:
Das Blau des Himmels wechselt rhythmisch jeden Tag mit der Morgen- und Abendröte. In den Jahreszeiten, beginnend im Frühling erwacht die Natur in den herrlichsten Grüntönen und ersten gelben, weißen und rosafarbenen Blumen. Vermehrt zur Sommersonnenwende hin entstehen dann farbenreiche Blüten und Früchte, wie die rote Rose, der blaue Enzian und die gelb-rötlichen Äpfel oder blauen Pflaumen. Im Herbst wandelt sich das Bunte des Sommers in warme Gelb-, Rot- und Brauntöne, die besonders schön an den Laubbäumen zu sehen sind. Im Winter, der dunklen Jahreszeit, überzieht eine weiße Schneedecke die Erde und überdeckt das Grün und Braun der Erde bis zum nächsten Frühjahr.
Jedem Menschen sind wohl auch unterschiedliche Empfindungen oder Gefühlsstimmungen vertraut, die er beim Anblick des blauen Himmels, dem Betrachten eines grünen Waldes oder einer vom weißen Schnee bedeckten Landschaft, in der sich die Sonne in den Schneekristallen glitzernd reflektiert, fühlt.

Was ist Farbe im Verhältnis zu Licht und Dunkelheit?

Die Himmelsbläue

Die Morgen- und Abendröte

Geht man vom Menschen aus, wie er in die Natur hineingestellt ist, erlebt er am häufigsten das Blau des Himmels und die auf- und untergehende Sonne mit den unterschiedlichsten Rot- und Gelbfärbungen. Das Blau des Himmels erlebt der Mensch am Tag, wenn es hell ist und die Sonne auf die Erde scheint. Blickt er, vom Hellen aus, durch das Licht in die Dunkelheit und Schwärze des Weltalls, sieht er die Farbe blau. Er sieht nicht schwarz, sondern blau, weil sich um die Erde herum Luft befindet und diese von der Sonne beleuchtet ist.

„Finsternis durch Licht gesehen ist blau.“

Bei Sonnenaufgang ist es noch dunkel, da wo sich der Mensch befindet, und die Sonne kommt langsam herauf und schickt ihre Strahlen in die Wolken. Bei Morgenröte (und ebenso bei Sonnenuntergang) sieht der Mensch nicht die Sonne, sondern die von ihr beleuchteten Wolken. Er sieht Licht durch die ihn umgebende Dunkelheit, das sieht rot aus.

„Licht durch Finsternis gesehen ist rot.“

Rudolf Steiner bezeichnet diese Phänomene als die zwei Grundgesetze oder Prinzipien der Farbenlehre, die der Mensch einfach an der Umgebung ablesen kann. *1)

In dieser Gesetzmäßigkeit kommt gut zum Ausdruck, dass Licht oder Sonne und Finsternis oder Dunkelheit eine grundlegende Verbindung zur Farbe aufweisen.

Isaac Newton (1643-1727) und der Regenbogen

Eine besonders schöne, aber weitaus seltenere Erscheinung stellt der Regenbogen dar, der ein siebenfaches Farbspektrum von rot, orange, gelb, grün, blau, Indigo und violett entfaltet.

Newton hat nun bei seinen naturwissenschaftlichen Forschungen zu Licht und Farbe, nach den Schilderungen von Rudolf Steiner, einen künstlichen Regenbogen erzeugt, indem er ein Zimmer abgedunkelt hat, die Fensterscheiben mit schwarzem Papier belegt und nur ein kleines Loch hineingemacht hat. In dieses kleine Loch hielt er ein Prisma hinein und spannte dahinter einen Schirm auf, auf dem nun auch der Regenbogen erschien. *2)

Welche Schlussfolgerung zog Newton aus seinem Experiment?

Er sah wie das weiße Licht durch das Loch im Fenster kam und wie mit dem Prisma die sieben Farben des Regenbogens erscheinen. Daraus folgerte er, dass im weißen Licht schon die sieben Farben drinnen sind, das weiße Licht der Sonne aus diesen Farben zusammengesetzt ist und durch das Prisma nur von weiß in die sieben sog. Spektralfarben zerlegt werde.

Worauf beruht diese Annahme, im weißen Licht seien bereits alle Farben – rot, orange, gelb, grün, blau, Indigo und violett – enthalten?

Interessant ist die unterschiedlichen Ansatzpunkte für die Forschung nach dem Phänomen und Wesen der Farbe zu vergleichen. Die Aussage oder Erkenntnis Rudolf Steiners basiert auf Beobachtungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und eine wahre, konkrete und für jeden verständliche Beobachtung eines alltäglichen, natürlichen Vorgangs beinhaltet. Der Mensch und die Farbe werden in einen Zusammenhang mit dem Kosmos, der Sonne und der Dunkelheit des Weltalls gebracht.

Newton ging zwar von einer natürlichen Erscheinung, der Beobachtung eines Regenbogens aus, welcher aber eine wesentlich seltenere Erscheinung darstellt als der Tagesrhythmus der Himmelsbläue und der Morgen- und Abendröte. Das bekannte Prismaexperiment ist ein künstliches Szenario, also nicht aus der Naturbeobachtung hergeleitet und bezieht wohl keine kosmischen Zusammenhänge ein. Wenn auch durch den Einsatz des Prisma das Licht scheinbar in sogenannte Spektralfarben zerlegt wird, was ja auch sichtbar nachvollziehbar ist, könnte ein Irrtum oder Fehler im Sinne einer beschränkten Sichtweise aber in der Erklärung des Phänomens liegen, d.h. in dem Moment wo nicht mehr nur beobachtet, sondern die Sache aus sich heraus gedeutet und erklärt wird.

Ist es wahr, dass im weißen Licht die Farben des Regenbogens bereits enthalten sind und nur „gebrochen“ werden müssen? Welche Konsequenzen entstehen durch eine Denkweise, die den Menschen und sein Eingebundenen in den Kosmos nicht berücksichtigt, sondern etwas, wie hier das Licht, aus sich selbst heraus erklärt?

Welche Empfindungen entstehen, wenn der Mensch diese beiden Aussagen miteinander vergleicht?

Rudolf Steiner, Goethe:

„Finsternis durch Licht gesehen ist blau.“
„Licht durch Finsternis gesehen ist rot.“

Newton:

„Im weißen Licht ist rot, orange, gelb, grün, blau, indigo und violett enthalten.“

Interessant sind die Ausführungen von Rudolf Steiner, der betont, dass sich bei richtiger Anschauung und Anwendung der Grundgesetze der Farbenlehre diese sich auch im Regenbogen zeigen. *3)

Goethe (1749-1832) nahm die zu seiner Zeit schon verbreitete Auffassung Newtons, der er keinen Glauben schenkte, zum Anlass selbst zu forschen und seine umfangreiche Farbenlehre zu entwickeln.

Wie wird in der heutigen Naturwissenschaft das Verhältnis zwischen Mensch und Farbe beschrieben?

Nach mancher naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise wird das reale Existenzsein von Farbe nicht anerkannt, sondern als elektromagnetische Strahlung, das heißt als eine messbare, rein physikalische Größe verstanden.
Interessant ist auch, dass die Farbe folglich als subjektiver, d.h. erst im Menschen entstehender Eindruck bezeichnet wird.

„Genau genommen gibt es in der Natur keine Farbe, sondern nur elektromagnetische Strahlung. Ihr sichtbarer Anteil wird als Licht bezeichnet und liegt im Wellenlängenbereich von etwa 400 bis 750 Nanometern. Farbe ist ein subjektiver Eindruck.“ *5)

Nach dieser Auffassung scheint es keinen wirklichen Zusammenhang zwischen Farbe als Strahlung im Außen und Farbe als subjektiver Eindruck im Menschen zu geben; Außen, Innen und Mensch scheinen wie isoliert voneinander. Die Farbe wird auf physikalisch messbare elektromagnetische Felder reduziert, eine seelische oder sogar geistige Dimension der Farbe scheint abgesprochen.

Wie wirkt diese Auffassung auf den Menschen? Schafft sie mehr Verbindung oder Trennung?

Was meint Rudolf Steiner, der sich detailliert mit naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise auseinander gesetzt hat. mit folgender Aussage?
„Das Betrachten des Farbigen kann überhaupt nicht geschehen, ohne in das Seelische herauf gehoben zu werden. Denn es ist eine bloße törichte Rederei, wenn man sagt, das Farbige sei lediglich ein Subjektives“ * 6).

Hat Farbe doch eine seelische Dimension und ist nicht nur ein subjektiver Eindruck?

Versteht man Sprache als eine seelische Ausdrucksform, die Verbindungen zwischen den Objekten der Außenwelt und dem Wahrnehmen und Fühlen schafft, eröffnet sich die Frage, wie Farbe in den Worten lebt und was sie zum Ausdruck bringt.

Was begegnet uns in der Sprache, am Beispiel Rot?

Rot gibt es nicht nur als den einen Begriff Rot, sondern in vielen Abstufungen und allen Mischtönen: Rosa, Hellrot, Dunkelrot, Rötlich, Rot-Blau, Schwarz-Rot, Braun-Rot. Dem Kunstinteressierten ist vielleicht Karminrot und Zinnoberrot geläufig. Weitere Differenzierungen in den Rottönen finden sich von hell nach dunkel wie beispielsweise beim helleren arteriellen und dunklerem, schon in das Bläuliche gehenden venösen Blut. Die Himbeere weist eher einen matte rote Oberfläche auf, während die Fruchthaut der Kirsche in Rot erglänzt.
Bezieht man die unterschiedlichen Lichtverhältnisse in die Betrachtung ein, zeigen sich die Farben strahlend, glänzend, reflektierend und heller bei klarem Licht, während bei grauen, dunklen Verhältnissen die Farben dunkler, matter erscheinen.

Die Sprache mit ihrem reichhaltigen Wortschatz erlaubt eine überaus differenzierte Beschreibung der Farbtöne, Farbnuancen, Abstufungen und Mischverhältnisse mit anderen Farben. Jede Differenzierung wie Himbeerrot und Kirschrot trägt eine andere Empfindung in sich.

Weiter kann man fragen nach Redewendungen, die mit der Farbe Rot in Verbindung stehen.

„Rot vor Zorn“ oder „Schamröte im Gesicht“ deuten auf eine aufsteigende Emotion im Menschen hin, die aber auch von einer entsprechenden Rotfärbung der Haut begleitet ist, die das nach außen wallende Blut erzeugt.

Rotsehen, im übertragenen Sinn gebraucht, weist auf ein sich erregen, empören, wütend und zornig werden hin.

Der reichhaltige, beschreibende und differenzierende Wortschatz deutet wohl darauf hin, dass das Existenzsein von Farbe und deren Erleben auf innige Weise mit dem Seelenleben des Menschen verbunden ist.

Wie wirken aber einzelne Farben, wie Rot oder Blau, auf den Menschen?

Hat Rot beispielsweise eine anregende, erregende oder aufregende Wirkung auf den Menschen und wie entsteht diese im Zusammenhang mit dem Wahrnehmen der Farbe?

Über das Rot- und Blausehen und dessen objektive Wirkung hat Rudolf Steiner überaus interessante Entdeckungen in Bezug auf das menschliche Auge gemacht: *7)

„Was erlebt das Auge, wenn es die Morgenröte oder etwas Rotes erblickt? Wenn das Auge rot sieht, werden die feinen Blutäderchen im Auge vom roten Licht durchzogen. Dieses rote Licht hat die Eigentümlichkeit, dass es das Blut immer ein wenig zerstört und den Nerv mit, da dieser nur mit dem Blut leben kann. Auf der anderen Seite wirkt dann der ganze Körper so, dass wieder besser der Sauerstoff in das Auge geleitet wird, damit das Blut wieder hergestellt werden kann. Das Auge wird also durch den Sauerstoff neu belebt, und an seinem eigenen Lebhaftwerden weiß der Mensch, da ist Rot draußen“.
Rudolf Steiner weist darauf hin, dass die Gesundheit des Menschen darauf beruht, dass er immer richtig das gerötete Licht aufnehmen kann.

Was geschieht nun, wenn der Mensch Blau sieht?

„Wenn der Mensch Blau sieht, werden Blut und Nerv im Auge nicht zerstört. Dies hat zur Folge, dass sich der Mensch innerlich recht wohl fühlt.
Das Blau bereitet dem Menschen also ein innerliches Wohlbehagen, während bei Rot das Gefühl entsteht als würde etwas eindringen“.

Weitere Beobachtungen und Zusammenhänge zwischen dem Wahrnehmen von Farbe und dem menschlichen Auge

Das menschliche Auge, das Organ des Sehsinns, spielt eine bedeutende Rolle als Sinnesorgan, das mit Licht und Farbe in Verbindung steht; sogar unser Gesicht ist danach benannt. Die ganze beleuchtete Außenwelt wirkt auf das Auge.

Was kennzeichnet das Auge in Bezug auf Farbe?

Blickt man auf das Auge des Menschen, fällt gleich eine Dreigliederung auf: Weiß – Farbe – Schwarz.
Nach außen hin erscheint die weiße Sklera, zur Mitte die farbige Iris oder Regenbogenhaut, die uns die Augenfarbe als blau, grün oder braun bezeichnen lässt, und nach innen die schwarze Pupille.

Dies regt zu der Frage an, was sich im Weiß, dem Farbigen und dem Schwarzen offenbart? Was begegnet uns, wenn wir einem Menschen in die Augen schauen, das Farb- und Glanzspiel beobachten, wenn sich Menschen im Blickkontakt begegnen?

Der Sehvorgang, bezogen auf das Wahrnehmen von Farben, weist eine Eigentümlichkeit auf:

Aus eigener Erfahrung kennt man das Phänomen: Wenn man länger auf etwas Grünes geschaut hat, erscheint – wenn man die Augen schließt oder auf eine weiße Fläche schaut – die Farbe Rot. Wenn wir also außen ein Grün wahrnehmen, bildet sich innerlich ein Rot, die Gegenfarbe. Dieser innerliche Vorgang bleibt meist unbewusst. Tritt von außen ein Gelb heran, bildet sich innerlich als Gegenfarbe die violette Farbe.
Es scheint also beim Farbensehen das Auge sich so zu verhalten, dass es immer die Gegenfarbe, die nicht von außen oder der Umwelt stammt, selbst erzeugt und einen harmonischen Ausgleich schafft, so dass sich der Farbenkreis schließt. *8)

Was bedeutet das genau, was sind Farbe und Gegenfarbe und wie verhält es sich mit dem Farbenkreis?

Blau, Gelb und Rot sind nach der Farbenlehre von Goethe sog. Hauptfarben oder Primärfarben, also nicht durch Mischung anderer Farben entstanden.

Am vorher beschriebenen Verhalten des Auges kann die Gegenfarbe in Bezug auf die Primärfarbe so verstanden werden:

Sieht der Mensch außen Grün (eine Mischung von Blau und Gelb), stellt Rot die Gegenfarbe dar und der Kreis schließt sich (Gelb und Blau gemischt als Grün und Rot bilden wieder alle Primärfarben Gelb, Rot und Blau ab).
Gelb hat als Gegenfarbe Violett (die Mischung von Blau und Rot) und Blau hat als Gegenfarbe Orange (die Mischung aus Gelb und Rot).
Sieht das Augen außen Grün, erzeugt es innen Rot und umgekehrt: Sieht das Augen außen Rot, bildet sich innen Grün. Genauso verhält es sich bei Gelb und Violett und bei Blau und Orange. Immer bilden sich alle drei Hauptfarben wieder zum Farbenkreis.*9)

Goethes Farbenkreis

Es scheint sich also im Menschen ein geheimnisvolles Farberleben oder sogar Erzeugen von Farbe abzuspielen, das er nur teilweise bewusst wahrnimmt.

Hat der Mensch sogar eine Anlage oder Fähigkeit Farben im nichtsichtbaren oder feinstofflichen Bereich wahrzunehmen? Gibt es in der sogenannten Aura, einem feinstofflichen Leib des Menschen, der den physischen Körper umhüllt, Farben oder Farbenähnliches?

Mit der Aura verbinden viele Menschen die Vorstellung und auch Empfindung einer Ausstrahlung, die von einem Menschen ausgeht, die sie vielleicht mit hell, licht und weit oder eher dunkel oder düster bezeichnen würden. Auch empfindet der Mensch mehr oder weniger bewusst, ob der andere Mensch ihn ergreift oder frei lässt, ob der seelische Raum weiter oder enger, begrenzter wird.

Wie beschreibt der Geistforscher Heinz Grill die Aurenverhältnisse in Bezug auf Farbe?

Geht jemand mit Interesse und Motivation auf einen anderen zu und will seine Ideen mit Bitten an den anderen richten: orangefarben, in geschlossenen oder losen Kreissegmenten offenbart sich eine bewegte zwischenmenschliche Farbankündigung. Bei jüngeren Kindern erscheint die Aura meist in zarten Farbtönen und bewegt. *10)
Es scheint also auch im unsichtbaren Bereich der Aura ein buntes und bewegtes Farb- und Formspiel zu geben, das mit den Seelenkräften des Denkens, Fühlens und Wollens in Verbindung steht.

Wie kann das Empfinden für Farbe im Sinne einer Vertiefung und Erweiterung auf feinstoffliche Bereiche wie die Aura weiter entwickelt werden?

In der heutigen Zeit wird Farbe oft subjektiv erlebt: Der Mensch hat eine Vorliebe oder Abneigung für bestimmte Farben, ihm gefällt Blau, aber Rot mag er nicht. Neben bewusster Sympathie oder Antipathie können auch unbewusste Neigungen oder Erlebnisse, die mit Farben verbunden sind, Emotionen wie Wohlgefühle, Schwelgen, Ablehnung und Abwehr auslösen. Man denke z.B. an braune oder grüne Uniformen, die mit negativen Erlebnissen assoziiert werden.
Wie oben ausgeführt, kann aber auch eine Überzeugung, dass Farbe nicht wirklich real ist und nur einen subjektiven Eindruck vermittelt, ein bewusstes Farberleben herabmindern oder regt den Menschen zumindest nicht an Farben in ihrer seelischen Dimension weiter zu erforschen.

Das subjektive Erleben bedeutet aber, dass der Mensch nicht wirklich die Farbe, also die vom Objekt oder der Farbe ausgehende Wirkung empfinden kann, sondern wie in seiner eigenen Umhüllung oder einer auf dem Objekt lastenden Projektion gefangen ist.

Wie kann der Mensch sich üben und ein objektiveres Empfinden und Erleben entwickeln?

Sinnvoll ist sicherlich eine erste Unterscheidungsfähigkeit zu entwickeln und zu ergründen, wie sich subjektive Elemente in das Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Wollen bezüglich der Farben einschleichen und ein objektiveres Wahrnehmen verhindern.
Nach den Erkenntnissen von Heinz Grill kann der Mensch lernen die Sinneswahrnehmung mit gezielten Gedanken zu lenken, was zu einer Erweiterung des Bewusstseins beiträgt und eine tiefere Erlebensbereitschaft in der Seele vorbereitet. *11)
Konkret kann der Mensch seine Aufmerksamkeit gezielt für einige Minuten an eine Naturerscheinung wie eine Pflanze hingeben. Die Aufmerksamkeit wird von einem Gedanken gelenkt, der sich auf die äußere Erscheinung, wie es die Farbe ist, richtet und durch wünschenswerte Fragen wie „Was sind die Weisheitskräfte?“ erweitert werden kann.
So kann mit viel Übung z.B. das Blühen einer Pflanze seelisch empfunden werden und diese Seelenstimmung wird von Heinz Grill wie bläulich beschrieben. Die Farbe im Feinstofflichen ist eher ein Empfindungseindruck in der Seele und kann nicht mit den Augen wahrgenommen werden.

Auf welche Stufe kann das Farberleben angehoben werden?

Heinz Grill beschreibt, wie beim Anblick der anziehenden Blüte eines bunten Veilchens ein Empfinden entsteht, das zur religiösen Erinnerung ersucht. *12)
Es scheint durch gezielte Übung für den Menschen möglich zu sein das Erleben von Farben auf eine höhere, sogar moralische Stufe anzuheben. Die blaue oder violette Farbe einer Blüte kann ein religiöses Erleben erwecken.

Rudolf Steiner sieht sogar in weiter Zukunft eine unendliche Vertiefung der Menschenseele auf diesem Gebiet voraus: „Das Beisammensein des Menschen mit der äußeren Welt wird sich nicht nur auf den äußeren Eindruck erstrecken, sondern auf dasjenige, was man hinter Farbe, Ton und Form erleben kann, was sich offenbart in Farbe, Ton und Form“. *13)

 

Fußnoten
1) Rudolf Steiner, Fragenbeantwortung für die Arbeiter, Dornach 21.2.1923 in GA 651, Das Wesen der Farben.
2) Rudolf Steiner, a.a.O.
3) Rudolf Steiner, a.a.O.: „Wenn man nämlich durchschaut durch den Regen auf der einen Seite, da sieht man durch den von der Sonne beleuchteten Regen die Finsternis, sieht auf der Seite das Blau des Regenbogens. Dann sieht man aber auch vorne die Fläche, wo man Licht sieht durch die Dunkelheit durch, und sieht auf der anderen Seite das Rote. Also muss man alles nach dem einheitlichen Prinzip erklären: Licht durch Dunkelheit ist rot, Finsternis durch Licht ist blau.“ .. „Die Farben zwischen rot und blau sind Abstufungen.“
4) https://www.wissenschaft-im-dialog.de
5) Elektromagnetische Strahlung besteht aus gekoppelten elektrischen und magnetischen Feldern. Zu ihnen gehören unter anderem Radiowellen, Mikrowellen, Infrarotstrahlung, sichtbares Licht, UV-Strahlung sowie Röntgen- und Gammastrahlung (aus https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromagnetische_Welle)
6) www.anthrowiki.at/Farben in GA 291, S. 59 f..
7) Rudolf Steiner, a.a.O.
8) Norbert Glas, Gefährdung und Heilung der Sinne, Kap. Sehsinn mit Verweis auf die Farbenlehre von Goethe.
9) Norbert Glas, a.a.O., Zitat von Goethe: „ Das Auge verlangt dabei ganz eigentlich Totalität und schließt in sich selbst den Farbenkreis ab. In dem vom Gelb geforderten Violetten liegt das Rot, dem das Blau entspricht; das Grün vereinigt Blau und Gelb und fordert das Rote, und so in allen Abstufungen der verschiedenen Mischungen. Dass man in diesem Falle genötigt werde, drei Hauptfarben anzunehmen, ist schon früher von den Beobachtern bemerkt worden.“
10) Heinz Grill, Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik, Seite 48.
11) Heinz Grill, Übungen für die Seele, Seite 65 unten.
12) Heinz Grill, Die Vergeistigung des Leibes, Seite 65.
13) Rudolf Steiner, Das Moralische Erleben der Farben- und Tonwelt als Vorbereitung zum künstlerischen Schaffen, Vortrag vom 1. Januar 1915 in GA 651, Seite 98 f..

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