Fisch – Matsyasana

Wie kann die Wahrnehmung der Sinne in der Yoga – Asana gefördert werden?

Der Fisch ist eine zentrierte Rückwärtsbeuge im Liegen, die häufig nach dem Schulterstand und dem Pflug praktiziert wird.

Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit der Frage wie die Sinne, zu denen das Sehen, Hören, Fühlen, aber auch die Wahrnehmung des Körpers gehört, im Fisch gelenkt werden können.

Vor der praktischen Ausführung ist es günstig, das Bild des Fisches, eine zentrierte Rückwärtsbeuge im Liegen, genau zu betrachten:
Was nimmt man wahr, wenn man ganz unbefangen darauf blickt?
Je nachdem, ob der Betrachter die Wahrnehmung bewusst, interessiert, forschend ausrichtet oder eher unbewusst, gewohnheitsmäßig darauf schaut, wird er eine andere Wahrnehmung haben: vielleicht fällt der Blick auf den Kopf oder auf die Form des Körpers, den umliegenden Raum oder er bemerkt etwas Anziehendes oder Abstoßendes oder ihm fallen eigene Erlebnisse ein, die er damit in Verbindung bringt. Es ist durchaus interessant sich seiner eigenen Wahrnehmungsmechanismen und Gewohnheiten, wie man in die Welt blickt, bewusst zu werden.
Stellen wir nun für die Betrachtung eine konkrete Frage: Welche Form nimmt der Körper ein und was kann als charakteristisch für diese Stellung bezeichnet werden?
So kann man feststellen, dass sich der Körper in langer schmaler Form in Rückenlage auf dem Boden befindet und der Brustbereich weit herausgehoben ist.
Nun kann der bisher entwickelte Sinnesprozess noch weiter differenziert werden.
Was bedeutet differenziert, wie wird der Sinnesprozess, die bewusste, von einem Gedanken geführte Wahrnehmung, dadurch weiter charakterisiert?
Der Begriff „differenziert (differenzieren, Differenziertheit)“ ist lateinischen Ursprungs und bedeutet aufgegliedert, vielschichtig, in die Einzelheiten gehend, sich unterscheidend. Auf Sanskrit heißt Differenziertheit „Visesya“.
Im Sinne einer weiteren Differenzierung folgt eine weitere Aufgliederung: Der Brustbereich und der Brustkorb sind weit nach oben gewölbt (die Mitte), der Scheitel berührt locker und mit entspanntem Nacken den Boden (Oben) und die Beine liegen lang ausgestreckt und geschlossen auf dem Boden auf (Unten). Wird die Betrachtung in dieser oder ähnlicher Weise einer logischen Ordnung oder Reihenfolge gemäß aufgegliedert in Oben, Mitte und Unten, entsteht auch eine empfindbare Ruhe und Ordnung.

Als nächstes kann sich die Ausführung des Fisches in drei Phasen anschließen:


Foto zeigt die mentale Vorbereitung (Phase 1)

Beginnend begibt sich der Übende in die Rückenlage mit geschlossenen Beinen. Er führt die eng aneinander liegenden und gestreckten Arme unter den Rücken, so dass die Hände mit den Handflächen nach unten unter dem Gesäß zum Liegen kommen. Nun hebt er Kopf und Brustbereich und stützt sich auf die Ellbogen und Unterarme, der Blick richtet sich über die Füße hinaus.
Mit möglichst entspannten Oberkörper und ruhig am Boden liegender Hüfte und Beinen bereitet er sich mental auf die Übung vor: Er stellt sich bildhaft vor, wie er den Brustkorb heraushebt und die Brustwirbelsäule in eine größtmögliche Anspannung im Bereich zwischen den Schulterblättern formt und dann den Kopf entspannt auf den Boden gleiten lässt, so dass der Scheitel zum Aufliegen kommt. Er stellt sich weiterhin vor, dass diese Spannungsverteilung – größtmögliche zentrierte Durchspannung der Brustwirbelsäule bei gleichzeitiger Entspannung der Beine, des Nackens und Kopfes – in der Endphase aufrechterhalten wird.


Foto stellt eine erste Durchspannung der Brustwirbelsäule dar (Phase 2)

An diese beschauliche, ruhige Phase, die mehr der Vorstellungstätigkeit gewidmet ist, schließt sich die dynamische Phase, in der der Übende gemäß der vorher gewählten und aufgebauten Vorstellung den Körper entsprechend formt und die Spannungsverhältnisse aufbaut.
Die dynamische Phase kann mit mehrmaligem Anspannen und weiterem Durchwölben der Brustwirbelsäule gestaltet werden: Dann folgt jeweils ein kurzes Ruhigwerden und Beobachten, ein Wahrnehmen der Verhältnisse an der Brustwirbelsäule und ein erneuter Ansatz zum zentrierten Herausheben zwischen den Schulterblättern.
Diese dynamische Phase, das Gestalten der Brustwirbelsäule zur größtmöglichen Durchwölbung, wird beendet durch das Auflegen des Kopfes am Scheitelpunkt auf den Boden und geht nunmehr in die statische oder Ruhephase über.


Foto beschreibt die Ruhe- oder Endphase (Phase 3)

Statische Phase bedeutet, dass der Körper und die Bewegung zur Ruhe gekommen sind, während der Übende in seinem Bewusstsein aktiv, d.h. beobachtend, wahrnehmend, vorstellend, empfindend, bleibt.
Entsprechend des in der Vorbereitungsphase aufgebauten Bildes zur Übung, zu den Spannungsverhältnissen, nimmt der Übende jetzt vergleichend wahr, ob der Körper entsprechend der Vorstellung geformt ist:
Mit seiner Aufmerksamkeit beobachtet er die Beine und nimmt wahr, ob diese ruhig, geschlossen und entspannt am Boden liegen. Fühlt er eine Anspannung in der Muskulatur der Beine oder spürt er, dass die Füße auseinander gleiten, nimmt er eine Korrektur entsprechend seiner vorher gefassten Vorstellung vor. Sodann beobachtet er den Bereich zwischen den Schulterblättern und nimmt die Intensität der Anspannung wahr, die er gegebenenfalls nochmals erhöht. Nach oben hin zum Schulter-, Nacken- und Kopfbereich kontrolliert er ebenfalls, ob dieser Bereich eher entspannt ist und lässt die Muskeln dort lockerer, wo es möglich ist, ohne die Form zu verlieren.
In der ruhigen Phase verweilt der Übende mit seiner gedanklichen Aufmerksamkeit im Bild der Übung und bleibt seinem Körper gegenüber empfindend und wahrnehmend.
Für die Dauer von 30 Sekunden, die mit guter Übung auf 1-2 Minuten verlängert werden kann, wird die statische Phase aufrechterhalten. Die Stellung kann nur so lange gehalten werden, wie sie vom Bewusstsein her geführt werden kann. Kann die Spannung nicht aufrechterhalten werden und entsteht infolge dessen ein zu großer Druck auf den Kopf und die Halswirbelsäule, ist die Stellung zu beenden.
Das Herausgehen aus der Stellung, die beschließende Phase, erfolgt durch leichtes Anheben des Kopfes und Absenken des Brustbereichs, so dass der Körper wieder gänzlich in Rückenlage mit den Händen neben dem Oberkörper zum Liegen kommt.
Der Atem wird in allen Phasen frei zugelassen: Er fließt leicht und in der nötigen Intensität.
Eine für das Bewusstsein anspruchsvollere Variante in der Ausführung des Fisches ergibt sich durch eine weitere Differenzierung des Sinnesprozesses:
In der Ruhephase (Phase 3) wird die Aufmerksamkeit zusätzlich auf die Backenknochen und den Kiefer gelenkt, die möglichst entspannt bleiben. Der Atem wird frei von außen kommend erlebt.

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