Die innere Haltung in der Yogapraxis

Die innere Haltung beim Üben

Eine sehr wichtige Frage stellt sich, wenn wir uns fragen WIE wir Yoga praktizieren können. In unserer westlichen konsumorientierten Welt übertragen wir fast automatisch das Nutzprinzip auch auf den Yoga: Er soll uns gut tun, beweglich machen, Blockaden lösen und Energie geben. So tragen wir, vielleicht auch nur halbbewusst, viele Erwartungshaltungen an den Yoga heran.
Wir können den Yoga jedoch auch in dem Licht einer sowohl körperlichen als auch seelisch-geistigen Entwicklungsmöglichkeit für den Menschen sehen, die aber eine Eigenaktivität und Hinwendung von uns verlangt. Welche Fähigkeiten können wir im Yoga lernen? Beispielsweise können wir denken an eine größere Geschicklichkeit, Ausdauer, Konzentration, innere Ruhe, Schulung der Sinne wie Gleichgewichts- und Bewegungssinn, Verbesserung des Vorstellungsvermögens und der Aufmerksamkeit.
Diese Fähigkeiten bilden sich aber nicht von selbst, indem wir etwa einfach nur körperorientiert üben und immer mehr Routine bekommen oder gar innerlich abschalten. Wichtig dafür ist eine regelmäßige, wiederholte Auseinandersetzung mit den verschiedenen Inhalten bezogen auf Asanas, Atem, Entspannung und darüber hinaus die Kultivierung einer inneren fragenden und forschenden Haltung gegenüber den Übungen und ihren Sinnbildern und Bedeutungen an Hand geeigneter Schriften¹. Wenn man sich zB frägt, was bedeutet der Kopfstand, warum wird er praktiziert und aufmerksam diese Haltung immer wieder studiert, dann kommt einem die Übung näher: die Umkehrstellung, die vertikale Linie, das aufstrebende Prinzip, das mit dem Gedanken in Zusammenhang steht. Eine mentale und empfindsame Vorstellungsbildung zu der Übung erleichtert auch die körperliche Ausführung: Durch genaues Beobachten kann man erkennen wie aus dem Fersensitz die Bewegung in eine vertikale Linie aufgebaut wird und wie die einzelnen Körperteile nacheinander, beginnend beim Platzieren des Kopfes auf dem Boden, dann der Rücken und die Wirbelsäule und schließlich die Beine in die Vertikale geführt werden.
Unabhängig vom Alter und den körperlichen Voraussetzungen, die ja sehr unterschiedlich sein können, ist es dennoch wertvoll sich gedanklich mit den Asanas zu beschäftigen und lebendige Vorstellungsbilder und Empfindungen dazu zu entwickeln!

In diesem Sinne ein (forschungs-) freudiges und interessiertes Üben!

Sirsasana – Kopfstand: Erleben der Vertikalität im umgekehrten Lot

 

Tadasana – Baum: Erleben des Gleichgewichts von Außen und Innen

 

¹ Inspirierte Darstellungen zu den Sinnbildern und Bedeutungen der Asanas, gegliedert nach den 7 Energiezentren oder Chakren, finden sich in „Die Seelendimension des Yoga“ von Heinz Grill.

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